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Munition für Gespräche und Stoff für den stillen Genuss. 
Für starke Frauen, die wissen, dass sich beides überschneidet.




Neue beste Freundin

Du suchst eine neue beste Freundin, weil du der aktuellen irgendwie entwachsen bist? Sie stehen geblieben ist, während du die nächste Stufe deines Daseins erklommen hast? Oder einfach, weil ihr Instagram so zum Fremdschämen ist (ja, manchmal braucht es nicht viel…)? 

Nichts leichter als das: Fleabag wartet auf dich. Sie lebt in London und nimmt dich in der gleichnamigen Serie mit in ihr Leben. In der ersten Staffel wirst du sie kennen, aber wohl noch nicht lieben lernen. Du begegnest ihrer Familie, ihrer besten Freundin und verschiedenen Sexpartnern und wirst Parallelen zum eigenen Leben ausmachen. Dann beginnt die zweite Staffel und eine komplett neue Zeitrechnung — für Serienunterhaltung einerseits, besonders aber für eure Beziehung. Sie dauert sechs Folgen lang. An deren Ende lässt sie dich mit einem Winken, vor allem aber mit einem so massiven Gefühl von Leere zurück, als hättet ihr euch seit Kindertagen gekannt.

Während der gemeinsamen Zeit erlebst du, wie sie einem der ekligsten Charaktere der Unterhaltungsgeschichte in die Fresse haut und sich dabei selbst eine blutige Nase holt. Wie sie sich sehr nachvollziehbar in einen Mann verliebt, der anderweitig vergeben ist. Wie ihr Vater ihre Beziehung mit den Worten “I love you, but I don’t like you” zusammenfasst. Wie sich ihre Schwester  in einem schmerzhaften Prozess emanzipiert. Wie ihre Stiefmutter ihr Blut zum kochen bringt. Wie sie trauert. Wie das Leben sie überfordert ohne sie unterzukriegen. Zwischendurch hat Kristin Scott Thomas einen Gastauftritt, in dem sie einen denkwürdigen Monolog zu weiblichen Schwerzen hält und Fleabag wendet sich immer mal wieder von dir ab — oder direkt zu, je nachdem auf welcher Ebene ihr euch gerade begegnet. Und irgendwann gegen Ende wirst du Zeugin einer so zarten Bettszene, dass dir die Tränen kommen.

Dass Fleabag die Rolle der besten Freundin so leicht ausfüllen kann, liegt an Phoebe Waller-Bridge, die sie verkörpert — und deren brillantem Geist die Serie entspringt. 

Besser wird serielles Erzählen nicht. Eine Fortsetzung ist nicht geplant.




Ave Maria

Der US-Bundesstaat Montana muss bis heute immer dann als Kulisse herhalten, wenn es gilt, den Mythos des weiten Himmels über unberührter Landschaft zu bedienen. Zudem hatte Montana in seiner Geschichte bisher erst eine einzige Gouverneurin (Judith Helen Martz, 2001 bis 2005).

Das gibt uns eine Idee, wie es dort in den 90-er Jahren des 19. Jahrhunderts ausgesehen hat. Zu der Zeit war dort Mary Fields aktiv, Übername “Stagecoach Mary”. Geboren als Sklavin, wahrscheinlich in Tennessee, später im Dienst und Korsett der katholischen Kirche. Beidem entkam sie wegen (dank!) ihrer rauen Art — Mary hat gern Männerkleidung getragen, getrunken, geraucht und mit Knarren hantiert. 

Der Ruf, den sie sich damit eingehandelt hat, brachte ihr 1895 einen Vertrag mit der U.S.-Post; ihr wurde eine der so genannten Star Routes zugesprochen und damit das Recht, auf bestimmten Strecken Post zu transportieren — und zu beschützen. Dass keine farbige Frau vor ihr je in dieser Funktion auf einem Postkutschenbock gesessen hat, versteht sich.   

Ausgerüstet mit Gewehr und Revolver, vor allem aber mit ihrer unnachahmlich zähharten Einstellung zum Leben, hat sie Banditen und anderes Gesindel während acht Jahren erfolgreich von ihrer Post fern gehalten. 

Als sie zu alt dazu war, konnte sie auf die Unterstützung der Einwohner ihres Wohnorts zählen. Auf Menschen, die offensichtlich  problemlos hinter eine taffe Fassade blicken konnten.


 
 
Ewige Suche

Ich habe James Camerons Film “Titanic” nie gesehen, aber ich glaube Natalie Mering, wenn sie sagt: „The movies I watched when I was a kid / The ­hopes and the dreams / Don’t give ­credit to the real things“. Wo da der Zusammenhang ist? Mering sagt das in ihrem Song „Movies“. Und den gibt es auf ihrem neuen, dem vierten Album „Titanic Rising“, das nach eben dem Film benannt ist. 

Natalie Mering ist besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Weyes Blood und langjährige Leserinnen wissen, dass ihr Song Cardamom einer von denen war, die liefen, als ich erfahren habe, dass Leonard Cohen gestorben ist. 

Auf dem neuen Album hören wir nun unter anderem eine Referenz an The Kinks (“Everyday”) oder Lana Del Rey („Mirror Forever“). Und in “Andromeda” beschwört sie, den Himmel betrachtend, “something I might never find”.

Womit wir wieder bei Fleabag und ihrer neuen besten Freundin sind.

Weyes Blood - Movies
Weyes Blood - Everyday
Weyes Blood - Mirror Forever
Weyes Blood - Andromeda

 
 
Im Visier

Sylvie Fleury, Revolver, 2009, Gemeisselte und polierte Bronze, Auflage von 8 Exemplaren 
© Sylvie Fleurie & Almine Rech Gallery

…so der Titel der Ausstellung, die noch bis zum 26. Mai im Forum Schlossplatz in Aarau — einem von Frauen geführten Haus — Schusswaffen in Kunst und Design zeigt. Ein Raum ist dem Thema Frauen-Fire-Power gewidmet; hier ist u. a. das Video “Cristal Custom Commando” von Sylvie Fleury zu sehen, in dem eine Frauen-Motorradgang im Lederkombi sich auf in den Wald macht, um in einer Mischung aus sexualisierter Barbarella-Ästhetik und überhöhtem Testosteronspiegel auf Chanel-Handtaschen zu schiessen.

In der NZZ hält Gabriele Detterer anlässlich der Ausstellung, jetzt bitte kurz festhalten, fest, die Waffen einer Frau seien Charme und Sex. Ach ja...? Ich nehm das einfach mal zum Anlass, wieder einmal runter zu schreiben, wie ich das sehe: Die Waffe einer Frau ist ihr Mundwerk; unerschöpfliches Munitionsarsenal ist ihr Hirn.

Das Forum Schlossplatz stellt ein Dutzend Gratis-Eintritte in die Ausstellung für euch zur Verfügung. Dafür einfach kurz eine Mail an ammo@shesgotagun.ch schreiben und sagen, ob ihr alleine oder zu zweit, zu dritt, ... hingehen wollt. 


 
 
PS:

Bei Luisa Omielan ist jeder Tag wie Weihnachten. Unter anderem, weil sie nicht auf Agenten und Manager hört. 10 Minuten für ein Körperverständnis abseits eines immer noch zu weit verbreiteten Menschenbilds. 

Uns're täglich Munition
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