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Munition für Gespräche und Stoff für den stillen Genuss. 
Für starke Frauen, die wissen, dass sich beides überschneidet.




Kein Mauerblümchen

Wieder mal eine Serie, bei der wir förmlich die Kraft fühlen, die die Protagonistin erfüllt. “Jett”, der Neunteiler mit Carla Gugino in der Hauptrolle (und als Co-Produzentin), folgt einer Phase aus dem Leben der titelgebenden Diebin Daisy ‘Jett’ Kowalski, die eigentlich als eine ruhige geplant war, ist Daisy doch erst vor Kurzem aus dem Knast entlassen worden. Aber eben… 

So erleben wir eine mit überaus brutalen Szenen durchsetzte und mit frauenverachtenden Charakteren gespickte Geschichte, in der sich allerdings weder Daisy, noch ihr buntes, rein weibliches Stützsystem, dem auch ihre selbstbewusste kleine Tochter Alice angehört, unterkriegen lässt. Im Gegenteil: Daisy weiss sich nicht nur zu wehren, sie sorgt auch dafür, dass Vatersöhnchen und andere Halbstarke ihre Meisterin finden. Selten konnte ich mich so stark mit einem Seriencharakter identifizieren wie in der Szene in Episode 8, in der sie äusserst souverän eine Ausgeburt von Sadismus über den Jordan schickt.

Toll ist zudem, dass Carla Gugino mit Ende 40 nicht davon absieht, Daisy auch als erotische Frau darzustellen. Das beginnt bei der Garderobe, in die sie eigene, private Teile eingebracht hat und endet in ihrer gleichermassen fassbaren wie nachvollziehbaren Verletzlichkeit. 


 
 
Der Gute

Er erschien mir immer als einer der Guten; vielleicht, weil er dauernd unterbewertet wurde und dadurch den Nimbus des Underdogs hatte — Garland Jeffreys. Jetzt ist Schluss. Kürzlich hat er, nach über 50 Jahren auf der Bühne, beschlossen, nicht mehr aufzutreten. Um seine Musik (wieder) zu entdecken, ist es aber glücklicherweise nie zu spät. Hail Hail Rock ’n’ Roll!

Garland Jeffreys - Wild In The Streets

Garland Jeffreys - New York Skyline

Garland Jeffreys - 35 Millimeter Dreams


 
 
Gut verhüllt

Wer entscheidet, wie du deine Brüste verhüllst? Die Unterwäsche-Industrie oder du selbst? Da du diese Zeilen liest, kann ich die Antwort erraten. Springen wir also direkt zur neuen Freiheit unter dem De­kolle­té — dem Bralette. Diese weiche, sanfte Alternative zum herkömmlichen BH, bietet, weil sie ohne Polster und Bügel auskommt, das am Busen seltene Gefühl von Komfort. Gleichzeitig heisst weniger Einengung mehr Freiheit und damit die stärkere Offenbarung unterschiedlicher Körperformen, was aus Body Positivity-Sicht nur zu begrüssen ist. Lady Gaga und Charlize Theron sind bekennende Fans, als Nicht-Prominente hat Stacy Overbey hier schon letzten Sommer dafür plädiert. Während die Schweizer Marke Hanro in der Entwicklung von Bralettes früh mitgespielt hat, gibt es in Belgien (unten) sowie England, Neuseeland und den USA interessantere Modelle.


 
 
"They say that death kills you, but death doesn't kill you. Boredom and indifference kill you."
Iggy Pop

Diesen Sommer hatte ich — endlich — zum ersten Mal die Gelegenheit, ein altes Rockidol live auf der Bühne zu erleben. Iggy Pop, den Proto-Punk, den ehemaligen Kopf der Stooges.

Bei strömendem Regen legte er, mit obligatem nacktem Oberkörper natürlich, los und es hat nicht lange gedauert, bis er “I Wanna Be Your Dog” angestimmt hat, diesen rohen Klassiker über die Agonie des Teenager-Daseins. Ob viele im Publikum gewusst haben, dass dieser wegweisende Song vom Debüt-Album der Stooges stammt, das nur gut drei Wochen später 50 Jahre alt werden würde? Iggy Pop, Dave Alexander und die Gebrüder Ron und Scott Asheton haben sich 1967 als The Stooges zusammengetan um, wie es scheint, der Welt musikalisch den Mittelfinger zu zeigen. Am 5. August 1969 folgte dann das selbstbetitelte erste Album. Vom ersten Wah-Wah-Gebrüll in „1969“ über “I Wanna Be Your Dog” bis zum letzten Feedback-Geheul in „Little Doll“ ist es ein Kraftakt, der auch ein halbes Jahrhundert später nichts von seiner Wucht verloren hat. Ähnliches gilt auch für Iggy Pop. Zwar schmiert er sich nicht mehr wie früher Hackfleisch auf die entblösste Brust oder schneidet seine Haut mit Glasscherben auf, aber die Energie und Kraft, mit der der 72-jährige an diesem Sommertag über die Bühne tobte, war ansteckend. Mir hat das Konzert, nicht nur wegen der Ansage “I tried to clean up, but then I realized that’s not for me” zu seiner Zeit in Berlin, den Glauben an guten, dreckigen Rock ’n’ Roll zurückgegeben. 

Dass Pop nicht stehen bleibt, zeigt er auf seinem für den 6. September angekündigten Album “Free”. Gemeinsam mit dem Jazz-Trompeter und Komponisten Leron Thomas und Sarah Lipstate alias Noveller hat er ein melancholisch-kontemplatives Klanguniversum geschaffen. Der dunkle Grundton des Albums spiegle seine Suche nach Freiheit wider, sagt er. Für ihn „das einzige Gefühl, das es wert ist, ihm nachzujagen. Es ist alles, was man braucht. Nicht unbedingt Zufriedenheit oder Liebe – aber das Gefühl, frei zu sein.“

Hier die erste Single daraus: 

Wer nun meint, das passe nicht zu Iggy Pop, sei an sein 2009er Album Préliminaires erinnert; ein Experiment, das den Test der Zeit glanzvoll überstanden hat.


 
 
PS:

Der Cartoon für alle zukünftigen She’s Got A Gun-Leserinnen, die dieses Jahr eingeschult werden.

Uns're täglich Munition
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