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Newsletter des Rabbinerseminars zu Berlin
Pessach 5777 

1. Grußworte von Rabbiner Zsolt Balla 


Liebe Freunde des Rabbinerseminars zu Berlin,
Rabbiner Schimschon Aharon Polonsky (1876-1948, Rabbi von Teplyk, Ukraine und später vom Beit-Jisrael-Viertel in Jerusalem) erzählt, wie er einst wenige Tage vor Pessach ins Lehrhaus kam und dort verheiratete Kollel-Schüler vorfand, die in ihrem Torahstudium vertieft waren. Er verstand, dass sie das Torah Lernen offensichtlich als wichtiger erachteten, als bei den Pessachvorbereitungen zu Hause zu helfen. Er ging zur Bima, machte auf sich aufmerksam und erklärte, er habe eine lange Liste von verwitweten Frauen, die dringend Hilfe bei den Pessachvorbereitungen benötigten. Augenblicklich versammelten sich alle Kollel-Studenten um den Rabbiner und boten ihre Hilfe an. Rabbi Polonsky bat sie, sich in einer Reihe aufzustellen, um jedem von ihnen einen Briefumschlag mit den Details und den Adressen der betreffenden Witwen zu geben. Als die jungen Männer die Briefumschläge öffneten, fanden sie dort jeweils die eigene Adresse. Rabbiner Polonsky versuchte ihnen zu zeigen, dass sie lieber anderen Menschen halfen, als den eigenen Ehefrauen. Das entspricht allerdings nicht dem, was die Torah uns lehrt.

Als ehemaliger Student des Rabbinerseminars zu Berlin ist es mir eine Ehre, Teil der jüdischen Gemeinden in Deutschland zu sein und teilzuhaben am Judentum der Zukunft. Es freut mich auch sehr zu sehen, wie viele meiner Kollegen hinausgehen, um während der Pessachfeiertage ihren „Familien“ zu helfen, unseren jüdischen Gemeinden hier in Deutschland, ohne dabei ihre eigenen Ehefrauen und Familien im Stich zu lassen. Sie inspirieren andere und demonstrieren mit ihrem Verhalten, wie wichtig traditionelle jüdische Werte und Wissen für unsere Existenz sind, insbesondere in der heutigen modernen Zeit. Ich fühle mich auch deswegen geehrt, weil ich weiterhin mit meiner „Alma Mater“, dem Rabbinerseminar zu Berlin, verbunden bin, nämlich durch das Institut für Traditionelle Jüdische Liturgie, dessen Aufgabe es ist, Menschen für unsere Gemeinden zu inspirieren und auszubilden, die Gottesdienste leiten und „unsere Tage erneuern wie einst“. 

Mögen wir alle in den kommenden Pessachtagen inspiriert sein und die Worte der Haggadah in unsere Herzen eingravieren: „Diese Zusicherung ist es, die unseren Vätern und uns immer beigestanden hat, denn nicht etwa einer war es der sich aufgelehnt, uns zu Grunde zu richten, sondern in jeder Generation stehen Boshafte wider uns auf, uns zu Grunde zu richten. Aber der Heilige, gelobt sei er, rettete uns aus Ihrer Hand.“

Chag Pessach Kasher veSameach!
Rabbiner Zsolt Balla
2. Hildesheimer Vortrag am 9. Januar 2017

"Defending Human Spirit - a Jewish Law Perspective on Protecting the Vulnerable" mit Oberrabbiner Dr. Warren Goldstein – Südafrika.

Zum vierten Mal richteten das Rabbinerseminar zu Berlin und die Berliner Studien zum Jüdischen Recht den „Hildesheimer Vortrag“ in der Humboldt Universität zu Berlin aus.

Der weit über die Landesgrenzen von Südafrika bekannte Oberrabbiner Dr. Warren Goldstein verglich in seinem Vortrag die schon vor Jahrtausenden gültigen Rechtskonzepte der Halacha mit denen aus Europa und anglo-amerikanischen Ländern. Hierbei stellte er fest, dass die jüdische Gesetzgebung oft praktischer am Leben orientiert angelegt ist, während in Europa – aus der Römisch-Holländischen Tradition heraus – die Gesetzgebung auf bestimmten Prinzipien beruht und die anglo-amerikanische Fall-spezifisch  behandelt wird. Ein Beispiel war u.a. der Tatbestand von Vergewaltigung in der Ehe, die bis ins 20. Jahrhundert hinein in Europa geduldet wurde, während sie im jüdischen Gesetz schon immer gesetzeswidrig war. Hierbei zeigt sich, wie modern und vor allem menschen- freundlich die jüdische Gesetzgebung schon lange ist. Dr. Goldstein zitierte Thomas Hobbes, der beschrieb, dass das Leben der Menschheit ohne Gesetz gemein, brutal und kurz sei. Ohne Gesetz herrscht Darwins Theorie vom „Überleben des Stärkeren“, bei dem die schwachen Mitglieder nicht geschützt werden.
Die jüdische Gesetzgebung jedoch beruht auf dem Schutz des schwächsten Glieds in der Gesellschaft. Das können ethnische oder religiöse Minderheiten sein, Witwen, Kinder und Waisen, Flüchtlinge oder sogar die Gesellschaft als Ganzes.
Die EU steht momentan vor dem Dilemma, dass die Mitgliedsländer aus der guten, menschlich-moralischen Verpflichtung heraus hunderttausenden von Flüchtlingen zu helfen, sich gleichzeitig potentiell einen IS-Attentäter ins Land holen. In dem Fall wird zwar den Flüchtlingen, die nichts mehr besitzen, außer ihrem Leben, geholfen, aber gleichzeitig, wird die Gesellschaft geschwächt, weil sie angreifbar geworden ist.
Ein wichtiger Begriff, den es zu definieren galt, war „Righteousness“ – Rechtschaffenheit –  im Sinne moralischer Gerechtigkeit und Güte, auf dem traditionell auch das jüdische Gesetz basiert. Während der Apartheid in Südafrika gab es zwar ein Gesetz, das jedoch auch dafür benutzt wurde, um Menschen zu unterdrücken. Es basierte also nicht auf moralischen Prinzipien, weil es die verletzlichen und schwachen Mitglieder der Gesellschaft benachteiligte, so wie auch während der Nazizeit in Deutschland.

Dr. Warren Goldsteins Lösungsansätze für mehr Menschlichkeit und die „Verteidigung des menschlichen Geistes“ sind klar definiert: Bildung, der Zugang zu Kapital, Schuldenerlass nach einer gewissen Zeit und ein freier Markt helfen Menschen, sich geistig und wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Die persönliche finanzielle Unabhängigkeit gewährt wiederum, dass mehr benachteiligten Menschen geholfen werden kann. Seine abschließende Schlussfolgerung für ein friedliches Miteinander war, dass man jedem Menschen ein Umfeld bieten sollte, in dem er friedlich, frei und in finanzieller Unabhängigkeit leben kann. Nur so wird der (mit)menschliche Geist seine wahre Kraft entfalten und gedeihen.
 
Zum Vortrag
3. Eishet Chayil: Konferenz in Berlin und MEP 

Im Februar diesen Jahres war es wieder soweit, die Eishet-Chayil Teilnehmerinnen versammelten sich in Berlin zu einem Seminar. Diesmal war der Fokus des Seminars das „Marriage Enhancement Program“ (auch „MEP“ genannt), das wir vor einigen Monaten aus England nach Deutschland geholt haben. Die Initiatorin des Programms in England, Rebbetzin Rachie Binstock, führte den Präsenzteil der Fortbildung an zwei Tagen in Berlin durch. Die Vorträge von Rabbiner Daniel Fabian zur pränatalen Diagnostik unter halachischen Gesichtspunkten sowie von Rabbiner Halpern zu den rituellen Reinheitsgesetzen rundeten das Seminar ab. Kurz nach Pessach werden die Kursteilnehmerinnen die Abschlussprüfung absolvieren und dann für die jüdischen Gemeinden im ganzen Land einsatzbereit sein. Die zertifizierten Kalla-Lehrerinnen werden in einem vom Rabbinerseminar, in Kooperation mit der ORD, etablierten Netzwerk aufgenommen und an interessierte Bräute bzw. auch interessierte Gemeinden weitervermittelt. 
Ansprechpartner für das Projekt ist Rebbetzin Sara Rivka Dray:
 
sr.dray@rabbinerseminar.de
4. Neues aus dem Beis Midrash (Lehrhaus) 

Seit Beginn des akademischen Jahres besteht nun die Aufteilung unseres Lernprogramms in das Beis Midrash Programm, „BMP“ für Einsteiger mit weniger Vorkenntnissen im Talmud-Studium und das Semicha Programm, „SP“ für Fortgeschrittene. Die neue Struktur ermöglicht eine bessere Lernatmosphäre sowie ein individuell auf die Studenten zugeschnittenes Studium.
Seit September 2016 ist Yosef Dobrovych im BMP des Rabbinerseminars. Yosef selber sagt über das Lernen im BMP: 
„Vor allem der strukturierte Aufbau des Lernplans hilft mir meine Fortschritte im Lernen zu messen. Unsere Rabbiner unterrichten uns mit sehr viel Hingabe und Enthusiasmus.“
Meir Israel Myropolsky studiert seit Februar 2017 im Semicha Programm des Rabbinerseminars. Er sagt über sein Studium:
"Ich finde es toll, dass es in Deutschland so eine einzigartige Institution wie das Rabbinerseminar zu Berlin gibt, einen Ort, an dem man gemeinsam Torah und Halacha lernt, sich gegenseitig motiviert und Antworten finden kann. Ich bin überaus stolz, jetzt selber ein Teil davon zu sein. Hier beim Rabbinerseminar kann ich mit wunderbaren Partnern und von erfahrenen Rabbinern lernen."  
5. Interessantes aus der Presse 

Am 28.03.2017 erschien eine ZDF-Dokumentation 37 Grad zum Thema „Shalom, Salaam, Halleluja“. Die Reportage begleitet einen angehenden Rabbiner, einen angehenden Imam und einen angehenden Priester. Die Sichtweise des Rabbiners wird von unserem Absolventen Rabbiner Benjamin Kochan, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Erfurt sowie Landesrabbiner von Thüringen, dargestellt.
 
ZDF Dokumentation "Shalom, Salaam, Halleluja"
6. Anstehende Termine

• Eishet Chayil Konferenz in Barcelona vom 18. bis zum 20.Juni 2017
• Das Sommersemester findet vom 10. bis zum 26. Juli 2017 statt 
• SAVE THE DATE: Juristische Tagung zum Thema „Religionsfreiheit für Minderheiten in Gefängnissen und anderen öffentlichen Anstalten“ – 
am 6. September 2017 in der Humboldt-Universität zu Berlin 
Das Rabbinerseminar wünscht Ihnen Pessach Kasher veSameach
 
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