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394   21.10.2019        
      
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 KOMMENTAR

 

Unterfinanziert

Nach gängiger Auffassung ist der Staat um das Gemeinwohl bemüht, Unternehmen suchen den Profit. Daraus folgt: wenn es um unsere Sicherheit geht, man dem Staat vertrauen soll, während gegenüber der gewinnorientierten Wirtschaft Skepsis angezeigt ist.

Und jetzt geraten wir in einen inneren Konflikt, weil unser Vertrauen in den Staat, insbesondere was die Sicherung der Altersvorsorge betrifft, angeschlagen ist und wir geneigt sind, den Warnungen aus Kreisen der Wirtschaft – konkret: der zwei Grossbanken - eher Glauben zu schenken als den Beteuerungen unserer Regierung.

Die UBS stellt schon seit Jahren Berechnungen zur prekären Finanzierung der AHV an, die CS untersucht die sinkenden BVG-Leistungen. Die Erkenntnisse sind beiderseits beunruhigend.

Die UBS errechnet bei der AHV eine enorme Differenz zwischen den Barwerten der künftigen Beiträge und Leistungen. In ihrer Studie zur Generationenbilanz heisst es: «Der heutige Barwert der gesamten AHV-Rentenversprechen übersteigt den Barwert der zukünftigen Einnahmen der AHV um 169,2 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP). Tatsächlich verspricht die derzeitige Gesetzgebung in der Schweiz jedem heute lebenden Altersjahrgang im übrigen Lebensverlauf mehr Leistungen aus der AHV, als sie ihm im Gegenzug an Zahlungsverpflichtungen auferlegt.»

STAF und AHV21 halbieren zwar die Lücke, aber überwiegend finanzierungsseitig, was bedeutet, dass sich an der finanziellen Belastung der Jüngeren kaum etwas ändert. Und das sich in naher Zukunft massiv verschlechternde Verhältnis von Beitragszahlenden zu Leistungsempfängern wirft ernste Fragen über die künftige Finanzierbarkeit der 1. Säule auf. Die Antworten dazu bleibt uns der Bundesrat schuldig.

Die CS hat ebenfalls keine gute Kunde. Sie erwartet eine Fortsetzung der bereits seit Jahren rückläufigen Ersatzquote beim Renteneinkommen. Die Rentenbezüge aus der ersten und zweiten Säule im Verhältnis zum letzten Einkommen, sinken für Personen im mittleren Einkommenssegment von geschätzt 57% im Jahr 2010 auf rund 46% im Jahr 2025. Die Verringerung ist weitgehend Folge der rückläufigen Leistungen der 2. Säule. Angesichts der demographischen Entwicklung sind sie mit einem AHV-Ausbau nicht zu kompensieren.

Die berufliche Vorsorge leidet weniger unter der demographischen Entwicklung, aber auch sie ist davon betroffen. Der zunehmende Anteil des Rentnerkapitals am gesamten Vorsorgevermögen hat Einfluss auf das ALM und verringert generell die Risikofähigkeit der Anlagen. Für die einzelne Kasse werden Sanierungsmassnahmen umso schwieriger und schmerzhafter, je grösser der Rentneranteil an den Destinatären ist. Davon können viele Vorsorgeeinrichtungen ein Lied singen, die unter dem Zwang, die gesprochenen Renten zu erbringen, die Aktiven massiv benachteiligen müssen.

Weder auf die Problemlage bei der 1. noch bei der 2. Säule geht der Bundesrat in seinen vorliegenden oder absehbaren Reformvorlagen ein. Beide Säulen sind unterfinanziert und ausser der Erhöhung von Beiträgen, Subventionen und Steuern kommt dem Bundesrat nichts in den Sinn.

Ein unkonventioneller Vorschlag – zurückhaltend formuliert – von PK-Experte Peter Zanella sieht deshalb vor, unterfinanzierte Rentnerbestände in eine «Bad Bank» einzubringen. Mit Finanzierungsunterstützung der SNB, deren Negativzinspolitik für die Misere zumindest teilweise verantwortlich ist.

Eine Heraufsetzung des Rentenalters wäre geeignet, den Druck zu verringern und die Sicherheit des Systems zu erhöhen. Die Autoren der Studien von UBS und CS fordern deshalb fast schon händeringend eine Erhöhung. Aber über eine Angleichung der Referenzalter für beide Geschlechter auf 65 will der Bundesrat nicht hinausgehen. Doch auch dieser bescheidene Schritt wird von Links vehement bekämpft. Ohne erst einmal 65/65 durchgesetzt zu haben, ist aber eine weitere Erhöhung nicht zu machen.

Über die finanziellen und sozialen Folgen für alle Erwerbstätigen und ihre Vorsorgesicherheit machen sich die Gegner einer Erhöhung offenbar keine Gedanken. Dass sie die Folgen heutiger Versäumnisse selbst tragen müssen, scheint jenseits ihres Horizonts zu liegen. Einen Free Lunch gibt es in der Altersvorsorge so wenig wie anderswo. Irgendjemand sollte es ihnen einmal beibringen.

Peter Wirth, E-Mail
 


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