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366   27.8.2018        
      
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 KOMMENTAR

 


Die Probleme sind unsichtbar
 

Zu seinem 30jährigen Jubiläum hat sich der ASIP drei Studien geleistet und diese an der diesjährigen Mitgliederversammlung vorgestellt.  Jetzt wurden sie an einem Presseanlass den Medien nochmals präsentiert. Zwei fanden das Wohlgefallen des Verbands, stimmen ihre Aussagen doch weitgehend mit seinem Selbstbild überein. Die dritte steht quer in der Landschaft und ist deshalb bedeutsam, weil sie zu kritischen Fragen Anlass gibt und eine vertiefte Diskussion verdient.

Gefragt wird darin nämlich nicht nach dem Selbstverständnis des Verbands, sondern nach den Konsequenzen, die sich aus den marktmässigen Mechanismen der kapitalgedeckten Vorsorge ergeben. Verfasst wurde sie von Yvonne Seiler und Heinz Zimmermann. Ihre Forderungen bewegen sich fernab vom politischen Konsens, der heute die 2. Säule dominiert. 

Das Duo Seiler-Zimmermann hat die finanz- und makroökonomischen Grundlagen der 2. Säule analysiert und die Folgerungen in einem übersichtlichen, vom Inhalt her aber explosiven 7 Punkte-Programm formuliert. Es wäre, so es denn die gebührende Aufmerksamkeit fände, durchaus geeignet, die Gewohnheiten einer zunehmend unkritischen und mit sich selbst beschäftigten Branche zu stören. Da wird gefordert: den Aufbau eines echten Kapitalstocks mit den damit verbundenen Risiken, was variable Renten voraussetzt, Wahlmöglichkeiten und Verantwortungsübernahme bei den Versicherten, die Überprüfung der Leistungsgarantien und den Verzicht auf sozialpolitische Anliegen.

Zu ganz anderen Schlussfolgerungen gelangt Roger Baumann von c-alm in seiner Untersuchung, welche sich weitgehend mit den Vorstellungen des ASIP deckt. Sie unterstützt den Verband mit der Forderung nach der gesetzlichen Festlegung einer Ersatzquote (anstelle des Umwandlungssatzes) mit weiteren Vorgaben qua Verordnung von Mindestzins, Umwandlungssatz, Sparbeiträgen und einem modellmässigen Realzins. Nach Einschätzung Baumanns und im Gegensatz zu Seiler-Zimmermann ist die Generationen-Solidarität möglich und sinnvoll. Ihre Einwände aus finanztheoretischer Sicht teilt er nicht. Zu korrigieren seien aber Struktur und Mechanismus der Parametrisierung, um die systemwidrige Umverteilung zu unterbinden und das Leistungsziel langfristig sicherzustellen. Als geeignete Institution zur Festlegung der Parameter schlägt Baumann die BVG-Kommission vor. 

Seiler Zimmermann konstatieren hingegen, dass «ein gewisser intertemporaler Ausgleich von Kapitalmarktrisiken zwischen Generationen möglich und ökonomisch effizient ist, aber dass sich mit dem Argument der Risikogemeinschaft keine Rendite über dem risikolosen Zinssatz für sämtliche Generationen und mit Sicherheit garantieren lässt». Im Übrigen seien Renditeerwartungen, die über dem risikolosen Zinssatz liegen, nach dem finanzökonomischen Verständnis weitgehend als Risikoprämien zu interpretieren, und es gäbe keinen Grund, dass diese Risikoprämien überhaupt bestünden, wenn Institutionen existierten, welche die zugrundeliegenden Risiken durch einen intergenerationellen Ausgleich vollständig diversifizieren könnten. 

Damit liegt eine bedeutsame Kontroverse vor und zu fragen ist: wie können die Interessen der Versicherten erfüllt werden? Metaphorisch ausgedrückt: Seiler Zimmermann wollen ein schlankes, schnelles Boot mit geringem Ballast, das auf Schnelligkeit und Effizienz ausgerichtet allerdings dem Wellengang des Kapitalmarkts ausgesetzt ist. Baumann will einen Tanker mit viel Tiefgang, den die Wellen kaum bewegen, allerdings schwerfällig und deutlich langsamer und teurer im Unterhalt. Nicht viel anderes als was wir bereits haben, allerdings mit einer modifizierten Steuerung.

Ungeklärt bleibt die Frage nach dem Ausgleich über die Generationen, welche Baumann als lösbar bezeichnet, was Seiler Zimmermann hingegen bezweifeln. Offen liegt aber die grundsätzlich politische Frage nach der Einbindung der Versicherten. Je grösser die verlangte Solidarität, umso geringer der individuelle Einfluss auf die eigene Vorsorge. Dass wir uns hier an der politischen Wegscheide zwischen linken, kollektivistischen Modellen und bürgerlich geprägter Selbstverantwortung befinden, ist klar ersichtlich. Da sind Entscheide anstelle von Parolen und einem blossen business as usual notwendig.

Nach Auskunft von ASIP-Direktor Konrad wurden die Thesen von Seiler Zimmermann im Verband diskutiert, aber letztlich abgelehnt. Roma locuta, causa finita? Das darf nicht sein. Die massive Umverteilung welche wir heute erleben und welche mit der nächsten BVG-Revision absehbar längst nicht ihr Ende finden wird, die Krise der Vollversicherung, der steigende Einfluss politischer Forderungen an die Vermögensanlage, das dramatische Pensionskassensterben oder auch der immer wieder erschallende Ruf nach freier Pensionskassenwahl - all das sind Symptome, welche nicht ignoriert werden dürfen, trotz und gerade auch bei der aktuell  (noch) sehr guten Finanzierungssituation der Kassen.

Seiler Zimmermann bringen das sehr genau auf den Punkt: «Die Probleme sind unsichtbar, da wir auf einem grossen Kapitalstock sitzen und die Probleme weitgehend erst auf dem Papier bestehen. Die aktive Bevölkerung, vorab die junge Generation, ist wenig sensibilisiert über die effektive Belastung.»

All das bietet Stoff für eine spannende und intellektuell anforderungsreiche Auseinandersetzung. Aber was uns absehbar mit der nächsten BVG-Revision erwartet ist eine Neuauflage der unsäglichen Erbsenzählerei um die Teilsenkung des Umwandlungssatzes mit Anpassung von Koordinationsabzug und Beiträgen, Übergangsfristen und Abfederung und jede Menge reglementarischer Kleinkram, der die Fachleute und nur sie interessiert. Viel Lärm in der Sackgasse.

Peter Wirth, E-Mail



 

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