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434   21.6.2021        
      
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 KOMMENTAR

Jetzt erst recht?

Das Gesetz schien ein Selbstläufer. Die Abstimmung reine Formsache. Und dann haben die Stimmbürger das CO2-Gesetz bachab geschickt. Die überraschten Befürworter hatten alle Mühe, eine Erklärung zu finden. Das «Fuder war überladen», hiess es; die Kombination mit den anderen Vorlagen verheerend. Offenbar weil die Landbevölkerung mangels Differenzierungsvermögen gleich drei Mal ein Nein schrieb. Dazu die angeblichen Millionenkampagnen der Auto- und Erdöllobby. Und schliesslich war die SVP dagegen, womit wohl schon alles gesagt ist.

Aber natürlich sind die Schweizer voll und ganz für den Klimaschutz, wird jedenfalls tapfer behauptet. Doch den Ausschlag gab anscheinend der Blick aufs eigene Portemonnaie. Dass nicht nur Bauern und Agglos gegen das Gesetz waren, sondern gemäss TA-Umfrage überwiegend auch die Jungen, will allerdings nicht so recht ins Bild einer engagierten Friday for Future-Jugend passen. Vielleicht sind sie ja mehrheitlich eher für einen Friday for Fun, was ihnen nicht zu verdenken ist nach all den Zumutungen, denen sie in den letzten anderthalb Jahren ausgesetzt waren und immer noch sind.

«Jetzt erst recht», tönt es aus dem grünen Lager und bereits werden neue Initiativen angekündigt. Das kann nicht überraschen, hängen doch nicht nur politische Parteien, sondern eine rasch wachsende Dienstleistungsbranche von der Bewirtschaftung des Umweltthemas ab. Im Fokus haben sie den Finanzsektor und da vor allem die Pensionskassen. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass deren Anlagen einen messbaren Einfluss auf das Klima haben, wie immer sie auch ihr Geld anlegen. Aber darum geht es wohl nicht.

Der auf die Vorsorgeeinrichtungen ausgeübte Druck geht dabei zunehmend von der Finanzbranche selbst aus, die in den letzten Jahren ein breites Sortiment grüner Anlagevehikel auf den Markt gebracht hat. Wer nicht offiziell das ESG-Abzeichen im Anlagereglement trägt, muss mit Kritik rechnen und wird bei den Ratings abgestraft. Wer will sich als Stiftungsrat schon einem «Shitstorm» in den Medien aussetzen? Lieber grün als in der Zeitung, wird sich da mancher denken.

Dabei dürfte hier vorliegen, was in der Philosophie als kategorialer Irrtum bezeichnet wird. Man verwechselt den Kauf von Aktien einer Kohlemine mit dem Verbrennen von Kohle. Die Lücke dazwischen müsste kausal und funktional begründet werden. Aber diese Mühe erspart man sich. Wer sich mit Sündern einlässt, wird selbst zum Sünder. In dieser neuen Theologie verschwinden die Unterschiede.

Was sollten wir jenseits von Jubel und Entsetzen aus dem Abstimmungsergebnis vom 13. Juni mitnehmen? All jenen, die direkt in Klimafragen aktiv sind, sei mehr Zurückhaltung empfohlen. Das betrifft die Wissenschaft, die ihre Daten und Prognosen gerne als unbezweifelbar präsentiert und deren Exponenten sich allzu sehr in der Rolle als Warner und besorgte Untergangspropheten gefallen. Es betrifft ebenso sehr die Anbieter von Finanzdienstleistungen, die ihre grünen Produkte gerne mit einem unterschwelligen Appell an die Umweltmoral ihrer Kunden verbinden und last but not least die Politiker, deren Wille zur Macht durch alle Warnungen und Versprechen hindurch leicht erkennbar ist.

Wem an der Sache selbst etwas liegt, tut gut daran, die Bereitschaft der Bevölkerung, die Warnungen aufzunehmen und das Verhalten zu ändern, nicht zu überstrapazieren. Die Selbstgerechtigkeit und Arroganz der Eliten, welche die Deutungshoheit über das Weltgeschehen für sich beanspruchen, stösst in breiten Kreisen auf wachsende Ablehnung. Die bereits reihenweise angekündigten neuen Initiativen werden dazu noch weiter beitragen. Das kann nur zu neuen bösen Überraschungen führen.

Peter Wirth, E-Mail

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