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436   26.7.2021        
      
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 KOMMENTAR

Die Scheinheiligen

Am 21. Juni, just zur spirituell bedeutsamen Sommersonnenwende, an welcher sich in Stonehenge Schamanen zur Anbetung der Sonnengöttin versammeln, erschien in der NZZ ein ganzseitiges Inserat, das so auffallend und gleichzeitig so merkwürdig war, dass es das Publikum offenbar sprachlos machte. Es löste – soweit uns bekannt – kaum Reaktionen aus. Dabei enthielt es nichts weniger als das Gelöbnis von 24 mehr oder weniger bekannten Wirtschaftsgrössen, niemals, aber auch wirklich niemals, die Arbeit von Untergebenen danach zu bewerten, wer sie seien oder wen sie liebten.

Da es unter dem Titel LGBTIQ und dekoriert mit den Farben des Regenbogens erschien, war die Stossrichtung klar. Mitgeteilt wurde: weder Herr Schwan von der Roche, noch Herr Helfenstein von der CS, noch Herr Narasimhan von Novartis oder die anderen Beteiligten hätten die Absicht, das Liebesleben und die sexuelle Orientierung von Angestellten in deren Bewertung einfliessen zu lassen.

Man fragt sich, hat ihnen das jemand unterstellt? Stand auch nur einer von ihnen (es sind mit zwei Ausnahmen alles Männer) deswegen in der Kritik und hatten sie jemals solche Absichten? Oder wollten sie, nachdem alle bereits ihre Nachhaltigkeitsgelübde abgelegt hatten, auch beim zweiten grossen Thema des Zeitgeistes proaktiv ihre Unschuld beteuern, bevor jemand auf die Idee käme, ihnen Vorwürfe zu machen?

Das Inserat hat gekostet, das Gelöbnis ist gratis. Und formuliert wurde es in der postkapitalistischen Prosa des urban progressiven Gutmenschentums. Hier die letzten Zeilen daraus. Erklärt wird, wie bewertet wird. Und, so erfahren wir, es geschieht

Danach, wie du Niederlagen verarbeitest und Siege feiern kannst.
Nach deiner Teamfähigkeit.
Nach deinem Talent und Potential.
Nach deiner Leistung.
Zugegeben, manchmal hängt es auch davon ab,
ob wir selbst gerade einen guten Tag haben.
Doch niemals werden wir deine Arbeit danach bewerten, wer du bist oder wen du liebst.
Niemals.

Schade, dass es sich nicht reimt, aber so weit haben die Formulierungsküste der beteiligten PR-Texter wohl nicht gereicht. Doch auch so dürfen die Auftraggeber diese Eigenwerbung getrost ausschneiden und in ihr Poesiealbum kleben. Allerdings hatten sie vielleicht nicht den allerbesten Tag, als sie sich darauf einliessen.

Die Absicht ist löblich, aber die Bekanntmachung ist bloss Anbiederung an den Zeitgeist. "Tue Gutes und rede darüber", heisst die PR-Maxime. Die Bibel hingegen empfiehlt, Gutes im Verborgenen zu tun. Ist wahrscheinlich immer noch die bessere Variante. Und in diesem Falle vielleicht weniger peinlich.

*

Zum Thema «Scheinheilige, Heuchler und Blender» haben NZZ und Inside Paradeplatz in den letzten Tagen einiges zu berichten gehabt. Man findet sie allerorten. Im Windschatten des überbordenden Moralismus haben sie Hochkonjunktur und bei Klima und Nachhaltigkeit, wo sich Politik und Kommerz aufs vorteilhafteste ergänzen, gedeihen sie besonders üppig. Nicht zuletzt sind die Scheinheiligen auch bei der laufenden Rentenreform auszumachen, wo man sich vor den dringend notwendigen, aber schmerzhaften Reformen drückt und das mit den Interessen der Betroffenen rechtfertigt. Mehr Heuchelei geht nicht.

Peter Wirth, E-Mail

PS1. Noch eine Frage, die uns umtreibt: Sprechen die Unternehmensfürsten in ihrem Inserat bloss für sich oder im Sinne von «cuius regio, eius religio» gleich auch für die Gesamtheit ihrer Unternehmen? Also über alle hierarchischen Stufen und über alle internationalen Verästelungen der Konzerne? Und sind sie nach neuer angelsächsischer Gepflogenheit mit allen per Du? Und darf man solche Fragen überhaupt noch stellen? Hier ein PDF des Inserats.

PS2. Unsere Website wird derzeit in Teilen neu gestaltet. Das führt zu technischen Problemen mit einzelnen Browsern, und die Bilder werden nicht alle dargestellt. Das sollte sich in den nächsten Tagen geben. Hoffen wir.


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