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Warum wir immer wieder auf "unser" Gender-Konzept verweisen und die große Frage nach dem "Was ziehe ich an?!?"
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Was zieh ich an? Eine Frage die Mann und Frau bewegt...

Guten Tag Ihr Dohlen- Interessierten, 

Leider ist beim letzten Newsletter was mit den Bildern schief gegangen – so wurde aus unserer Team-Sektion eher ein lustiges Namen-Raten, da die entsprechenden Namen der Teammitglieder natürlich auf der nicht angezeigten Bilddatei standen. Aber gut, ihr habt es dann evtl. ja auf der Homepage gefunden und zuordnen können. 

Im heutigen Newsletter wird es um das Gender-Konzept und Gewandungsvorschläge für unsere Veranstaltung gehen: 

 
Infos zum Gender-Konzept

Grundsätzlich werden wir in unserem Spiel von einem binären Geschlechtersystem ausgehen. Das heißt, es gibt Männer und Frauen – so ganz platt biologisch.  

ABER: wenn es euch reizt und ihr mal was anderes ausprobieren wollt, wird es auch möglich sein, nicht euer eigenes biologisches Geschlecht zu spielen sondern "das andere". Das müsst ihr halt mit Klamotte, Ausdrucksform und Habitus darstellen – und uns natürlich bei der Anmeldung wissen lassen. Frei nach dem Motto: "Wer einen Ork spielen kann, kann auch ein anderes Geschlecht spielen." 

 Bedenkt bitte, vieles was ihr aus der Zeit lest, in Filmen oder Dokumentationen seht, entspricht oft einer männlichen Geschichtsschreibung und würde den Bechdel-Test (https://de.wikipedia.org/wiki/Bechdel-Test) nicht bestehen. Es wird also auch "starke" Frauenrollen" und evtl. "side kick" Männerrollen geben, denn wir wollen Geschichten von Individuen und nicht von männlichen Helden und weiblichen Herd-Hüterinnen erzählen. Es kann daher sowohl eine Predigerin als auch einen Geburtshelfer geben. Wir sind davon überzeugt, dass dies das Spiel für alle bereichert, und das historische Setting dadurch nicht angegriffen wird.
 

Willkommen in der Kleiderkammer des 30 jährigen Krieges! 

 

Vorwort: 

An dieser Stelle möchten wir euch einen kleinen Leitfaden zum Thema Gewandung auf dem „Die weiße Dohle – Flucht und Verrat“ geben. Als erstes ist es wichtig zu sagen, dass es ein „One-ShotLarp ist. Niemand soll sich gezwungen fühlen einen übertriebenen Aufwand, in finanzieller und auch sonstiger Sicht, in Bezug auf die Gewandung zu machen. Grundausstattung wäre wünschenswert und die perfekt authentische Gewandung  freut natürlich nicht nur uns, sondern vor allem auch die Mitspieler. 

Einen detaillierten Mode Guide über eine ganze Epoche zu schreiben würde sicher hier die Grenzen sprengen. Weiterführend werden wir hier also grobe Richtungen skizzieren und gleichzeitig Abgrenzungen aufzeigen. Für eine detailliertere Beschreibung des Kleiderstils geben wir euch anschließend ein paar Web-Links mit auf den Weg. Viel Spaß beim Lesen und kreativ werden! 

Anmerkung: Aufgrund unseres Gender-Konzepts sind die unten angegebenen Regeln für Frauen und Männer reine Richtlinien. Spielt ihr einen Charakter aus einem Feld, das klassischerweise dem anderen Geschlecht zugeordnet wäre (Söldnerin, „Ehemann von…“, Schmiedin), könnt ihr Eure Kleidung natürlich dementsprechend anpassen.  

 

Generelles: 

Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges diente die Kleidung klar als Zeichen der Zugehörigkeit und des sozialen Standes. Sie war also nicht nur funktionell, z.B. zum Schutz vor Wind und Wetter oder Dreck und Schmutz, sondern zeigte darüber hinaus auch welcher Gruppierung man angehörte.  Diese Abgrenzung war absolut gewollt und Verstöße wurden von Schmähung bis hin zu Strafen geahndet. Für das alltägliche Leben war es also wichtig, sich genau an diese Etikette zu halten. 
 

Für uns relevante Gruppierungen: 

  • Bauern/Dorfbewohner 

  • Handwerker/Kaufleute 

  • Adel/Edelmann 

  • Geistlichkeit 

  • Söldner/-innen 

 

 

Bauern/Dorfbewohner 

Die einfache Land- und Dorfbevölkerung besaß nicht mehr als eine Garnitur Kleider, die sie für alles nutzte. Es gab ein langes Nachthemd, das zum Schlafen und tagsüber als Unterhemd diente. Darüber trug der Mann Beinlinge, Hose oder Strumpfhose und am Oberkörper ein langes Hemd oder eine Cotte. Die Frau hatte ein langes faltiges Kleid mit engen Ärmeln und darüber ein kürzeres Oberkleid oder eine Schürze. Als Kopfbedeckung trug man Mütze oder Kappe, gerne mit Ohrenklappe, eine Haube, Schleier oder Kopftuch. Je ärmer man war, desto mehr Gebrauchsspuren wies die Kleidung auf. Als Schuhwerk dienten flache einfache Lederschuhe. 

Handwerker/Kaufleute 

Handwerker und Kaufleute verfügten schon über mehr als einen Satz Kleidung, oft trugen sie zunfttypische Kleidung, ihrer Berufssparte entsprechend, praktisch und sinnvoll. Die Kleider für besondere Anlässe waren mit Ansätzen von Spitze oder Krägen aufgewertet. Die Hosen der Männer wurden puffiger, endeten über den Knien und wurden mit Strümpfen ergänzt. Wer es sich leisten konnte trug ein Wams. Frauen trugen mehrere Unterkleider übereinander, der Kragen wurde mit Spitze geschmückt und darüber oft ein Leibchen mit Hängeärmeln getragen. Je wohlhabender man war, desto aufwändiger das Wams oder die Oberbekleidung. Neben Halbschuhen gab es auch immer öfter Stiefel. 


 

Adel/Edelmann-/ frau 

Schnitt und Funktion unterschied sich nicht sonderlich vom Rest der Bevölkerung. Allerdings waren die Stoffe deutlich feiner und hochwertiger. Mit Goldfäden und Schmuck wurde zusätzlich aufwändig verziert und geschmückt. Große Halskrausen und Rüschenkrägen bedeckten Hals und Schultern. Generell wurden Kleider, Wams, Kappe und Schuhe mehr aus modischen Gründen getragen, als aus Zweckmäßigkeit. Kopfbedeckungen sowie Stiefel wurden zum Teil so groß, das ihre Alltagstauglichkeit in Frage zu stellen war. Ausladende Stulpen und übertrieben weite Pluderhosen pflegten das Bild. 

 

Geistlichkeit 

Die Kleider der Kirchenanhänger aufzuzählen gestaltet sich schwierig, da jeder Orden eine andere Kleiderordnung hatte. Generell kann man aber zusammenfassen, dass es auch hier eine übergeordnete Kleiderordnung gab, die den Stand des Trägers sozial einstufte. Ärmliche Mönche trugen Roben, Theologen und Klosterangehörige hatten eine Tunika mit Überwurf und die Oberhäupter der Kirche waren in ihrem Luxus dem Adel gleichgestellt. Mit Gürteln oder Kordeln, sowie Schärpen, wurde die Kleidung zusammengehalten. Auch Kopfbedeckungen wie z.B. ein Barett oder eine Kapuze (Gugel) wurden getragen. 

 

Söldner/-Innen:  

Die Mode zielte bewusst darauf ab, sich außerhalb der bestehenden Kleiderordnungen zu positionieren. Als Söldner gehörte man zu keiner der überkommenen gesellschaftlichen Strukturen, man sah sich selbst zu einer neuen, aus Sicht der Söldner elitären Schicht zugehörig. 
Man trug was man geraubt hatte - bunte, oft kostbare Stoffe, die auffielen und gefielen. 
Das Wams und die Hosen waren oft geschlitzt, farblich unterlegt und stützten das Selbstbewusstsein des Trägers. Der Träger einer solchen Kleidung fühlte sich als freier Mann. Für die Bekleidung waren die Söldner zunächst selbst verantwortlich, lediglich Harnische und Helme wurden ausgegeben. Wichtig waren z.B. feste Schuhe (Stiefel), gute Strümpfe, ein Lederwams, ein großer Filzhut und ein weiter Umhang. Da es keine einheitliche Uniform gab, benutzte man farbliche Markierungen in Form von Federn am Hut, Bändern um die Arme oder Schärpen um den Oberkörper, um die Zugehörigkeit zu der einen oder der anderen Armee zu signalisieren. 

 

Frauen und Männer Skizzen 
 

Links: 

http://mode-im-barock.de/fruehbarock 




Willkommen im Dreißigjährigen Krieg
 

Rezept Suben von swartze bonen (Schwarze Bohnensuppe nach Art des Bruders Küchenmeister vom Kloster Tegernsee) 

 65 g durchw. Speck 

 l Zwiebel 

 300 g rote Bohnen (Dose) 

 1/8 l Rotwein (nicht zu trocken) 

 1/2 l Wasser 

 8 EL Sahne 

 Salz, Pfeffer 

Den durchwachsenen Speck würfeln und in einem Topf gut auslassen, die feingehackte Zwiebel zugeben und goldgelb dünsten. Bohnen dazugeben und ca. 10 Min. schmoren. Alles durch ein großes Sieb passieren und mit Wasser und Rotwein kurz erhitzen. Bei milder Hitze die Sahne unterziehen, mit Salz und Peffer abschmecken und servieren.  

 

  • Aus: 1977 - Wie man eyn teutsches Mannsbild bey Kräften hält - Die Küchengeheimnisse des Mittelalters, wiederentdeckt von Hans J. Fahrenkamp 


 

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